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Auszüge aus einem Sonderdruck der Fachzeitung Haustex von 3/1998 (Autor Peter Schläger)

Laut Prof. Dr. med. Dietrich Hofmann kann die geläufige Empfehlung,
daunen- und federnhaltige Zudecken und Kissen
prinzipiell aus dem Schlafzimmer von Atemwegs-Patienten zu entfernen,
aus der Weiterbildungsliteratur der Medizin gestrichen werden.

Ein Teil der praktizierenden Ärzte hat bislang noch nicht zur Kenntnis genommen, dass daunen- und federngefüllte Bettwaren als auslösende Ursache für Hausstaubmilben-Allergien oder allergische Reaktionen der Atemwege allenfalls marginale Bedeutung haben. Deshalb erhalten betroffene Patienten häufig den ärztlichen Rat: "Entfernen Sie als erstes mal Ihr Federbett samt Kissen aus Ihrem Schlafzimmer!" Dass dies meist überflüssige Liebesmüh ist, belegt ein wissenschaftliches Gutachten, welches Prof. Dr. med. Dietrich Hofmann, Leiter der Allgemeinen Pädiatrie 2 am Zentrum für Kinderheilkunde des Klinikums der J.W.-Goethe-Universität in Frankfurt erstellt hat.

Zu betrachten sind Atemwegs- und Kontaktallergien. Während z.B. Pollen- und Hausstaubmilbenallergien relativ verbreitet sind, ist die Allergie auf Bettfedern äusserst selten. Bei Tests in den letzten Jahren ist es gelungen, die allergologischen Testlösungen hochgradig zu reinigen und zu standardisieren. Wichtiges Resultat in diesem Zusammenhang: das Federnantigen spielt bei der direkten Auslösung von Beschwerden allenfalls eine untergeordnete Rolle.

Bei mehr als 80 % der in einem Test auf Federn positiv reagierenden Versuchspersonen waren ebenso positive Reaktionen auf die Hausstaubmilbe nachweisbar. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass es sich bei den verwendeten Untersuchungslösungen nicht um reine Federnextrakte handelte, sondern dass diese Lösungen noch Milbenantigen in erheblichem Umfang enthielten.

Stärkere allergologische Reaktionen auf das Federnantigen wie ein positiver Reibtest oder eine positive inhalative Provokation sind in der allergologischen Praxis nicht bekannt. Ausserdem dokumentieren Hauttestreaktionen keinerleit Aktualität des Bettfedernallergens auf dem Niveau der Schleimhäute. Deshalb kann auf der Grundlage der momentan existierenden Literatur festgestellt werden, dass das Bettfedernantigen (Keratin) für die Auslösung von Atemwegsbeschwerden (chronische allergische Nasenschleimhautentzündung, Asthma bronchiale) praktisch bedeutungslos ist, da die allergene Potenz des Federnantigens als ausserordentlich gering eingestuft werden muss.

Bemerkenswert scheint die im angesehenen British Medical Journal veröffentlichte Beobachtung von T.J. Kemp und D.P. Strachan, dass mit Polyester gefüllte Kissen einen höheren Gehalt des Antigens Der p1, der Hauptsubstanz des Milbenallergens, aufweisen als Federkissen. Die erfasste Relation Feder-/Polyesterkissen liegt bei 3,5/8,5. Die Studie tritt der älteren Auffassung entgegen, dass allergene Teilchen in Federkissen leichter fliegen und somit schneller eingeatmet werden als bei kunststoffgefüllten Kissen. Eindeutig konstatieren die Autoren, dass die Beseitigung von Bettfedern und -kissen die Asthmahäufigkeit nicht vermindert, ja insbesondere die schwere asthmatische Atemnot bei Kindern, die unter Federbetten schlafen, ist signifikant vermindert.